Tag 6: Heute war das Frühstück die Ruhe nach dem Sturm: Mal abgesehen von dem nur mäßigen Null zu Null (Deutschland gegen Polen) hat es in der Nacht getobt. Über den Schlern ist ein Orkan gefegt, hat an dem Blechdach des Schlernhauses gerüttelt und das massive Steunhaus immer wieder ächzen lassen. Von bis zu 170 km/h Windgeschwindigkeit war die Rede. Ein Wetter der Extreme.

Dick eingemummelt mit Windbreaker, Handschuhen und Mütze wappneten wir uns der morgendlichen Frische. Die Sonne ließ sich auf unserem Weg bergab nur spärlich sehen.

Unterhalb des Schlernhauses steht auf einem kleinen Vorsprung eine winzige Kapelle zu Ehren des St. Kassian. Sie geht auf ein noch kleineres Kirchlein zurück, das hier 1797 während der Franzosenkriege als Maria-Hilf Kapelle gebaut worden war. Das Altarbild stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Glocke der Kapelle lässt sich von außen bimmeln – sehr verführerisch: Lautstark läuteten ein paar Hände unseren Abgang ins Tal ein.

Den Schall verschluckte der noch immer sehr starke Wind. Doch mit jedem Höhenmeter bergab verlor er an Kraft, die Sonne indes an Stärke. Bald hatten wir die Baumgrenze erreicht, mussten Jacke und Pullover ausziehen. Handschuhe und Mütze verschwanden im Rucksack.

Der Weg führte in Serpentinen steil bergab. Schmal hangelt er sich an der Felswand entlang, direkt hinein in eine Schlucht, die Bärenfalle. Kleine Holzbrücken ermöglichten uns die Passage über gähnende Tiefe, hier haben die Wegbauer erst Anfang dieses Jahrhunderts ganze Arbeit geleistet.

Und sie haben sich einen Spaß erlaubt: In einer Kehre, an der jeder auf den Weg achtet, haben sie einen aus einem Baum geschnitzten Bären postiert. Der fletscht gefährlich die Zähne. Und er ließ manchen von uns in einer Schrecksekunde zumindest tief durchatmen. Dann freilich war er gut für ein Foto: Wanderer mit Bär.

Der Wald hat den Weg nun fest im Griff, immer wieder sprudeln Bäche vom steilen Hang. Auch aus einem dunklen Eingang hinter einer Felswand sprudelt es. Hier verbirgt sich das Tschetterloch, eine der wenigen Naturhöhlen im Dolomitgestein. Tief führt sie in den Berg – zu tief für uns. Wir schnupperten nur kurz hinein.

Außerdem war es nun nicht mehr weit zum Parkplatz, auf dem wir vor sechs Tagen unsere Autos abgestellt hatten. Ein paar hundert Meter noch auf ein gemeinsames Mittagessen in der Tschamin Schwaige, wo alles begann: Nach acht Kilometern und 1.450 Höhenmetern Abstieg hatten wir uns die obligatorischen Spaghetti Aglio Olio verdient.

Der Rest war Heimfahrt.

 

Die gesamte Reportage „Sechs Tage Rosengarten“ erscheint Ende Juni in Ausgabe 3/2016 des Online-Magazins Outdoor Im-Puls.

Tag 5: Das Frühstück war heute die Ruhe vor dem Sturm. Wie immer um 8.30 Uhr startete unsere Tour, Ziel: Schlernhaus. Nicht ganz leicht fiel uns heute der Abschied aus der Tierser-Alpl-Hütte – sie ist mit Abstand die exklusivste Hütte auf unserer Tour.

Erst vor einem Jahr ist das Haus mit Zugang zu den Klettersteigen Maximilian und Laurenzi komplett renoviert worden. Die Gastfreundschaft, die Besuchern hier entgegenschlägt, liegt an Familie Perathoner. Dazu kommt die unglaubliche Architektur: Das Panorama-Restaurant scheint freitragend, die riesigen Fenster eröffnen den Blick auf die umgebende Bergwelt. Alles Holz, und dieser Werkstoff ist in der Hütte allgegenwärtig, ist so sauber verarbeitet, dass nirgends ein Nagel zu sehen ist, die Balken und Bretter fugenlos sitzen. Ein Haus zum Wohlfühlen.

Und nun mussten wir hinaus ins sturmumtoste Gebirge. Alle gut verpackt in wind- und wasserdichte Jacken, mit Mütze und Handschuhen. „Heute passt’s“ lachte Bergführer Thomas Dempfle. Tatsächlich war die warme Kleidung bei dem eisigen Sturm angebrachter als gestern beim Abstieg über das Schneefeld am Grasleitenpass. Doch immerhin hatte der Wind einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Er fegte die Wolken vom Himmel – immer wieder blinzelte sogar die Sonne durch blaue Löcher im ansonsten eher grauen Himmel.

Natürlich hatte Thomas Dempfle nicht die direkte Route zum Schlernhaus gewählt – er hat noch drei Gipfel eingebaut. Einem leichten Abstieg folgte ein mäßiger, aber ganz schön langer Aufstieg – gemessen an der frühen Morgenstunde. Mit klarem Ziel: der Roterdspitze. Das umgestürzte hölzerne Gipfelkreuz in 2.609 Meter über NN haben wir eigenhändig wieder aufgerichtet. Wahrscheinlich waren wir die ersten in diesem Jahr an diesem Punkt mit dem wunderbaren Ausblick.

Nach Osten hin erstreckte sich die Seiser Alm, Europas größte Hochalm. Kaum zu glauben, welche Dimension diese Grünfläche in der Bergwelt Südtirols erreicht. Zur anderen Seite sahen wir hinüber zu Laurins- und Rotwand, wo wir noch vor ein paar Tagen zur Kölner Hütte gewandert waren. Auch die ist von der Roterdspitze aus zu erkennen.

So wie das Schlernhaus. Diese große Schutzhütte steht schon sein 1885 auf der busch- und baumlosen Hochfläche in 2.463 Meter Seehöhe. Dort haben wir unsere Mittagspause eingelegt, vom nicht abreißenden Sturm völlig zerzaust und teilweise ausgekühlt. Sepp, unser Senior, kümmerte sich darum, den Kachelofen wieder anzustochen: Als das Feuer munter brannte und ein Schnäpschen zum Nachtisch gereicht wurde, stimmte der 74-Jährige sein Lieblingslied an: „Überall auf der Welt scheint die So-ho-hon-ne.“

Zeit, zu einer Nachmittagswanderung aufzubrechen. Direkt hinter unserer Unterkunft erhebt sich der höchste Berg des Schlern: der Petz. Nichts wie hoch auf den 2.564 Meter hohen Buckel, auf zum zweiten Gipfelkreuz des heutigen Tages. Doch dieser Ausblick allein reichte nicht. Von dort war es nur ein Katzensprung hinüber zum Burgstall. Dieser 2.502 Meter hohe Buckel ist die zweithöchste Erhebung auf der kargen Hochebene. Gipfel Nummer drei. Ein Spaziergang zurück zum Schlernhaus führt an die Kante, die senkrecht hinunter bricht von der Hochfläche ins Tal. Genau 9,8 Kilometer und 865 Höhenmeter sind heute zusammengekommen.

Draußen gibt der Sturm noch immer keine Ruhe. Wir sitzen bei einem Kaffee im Warmen, die überaus freundliche Bedienung bi´ringt uns Kaffee und Kuchen. Der Kachelofen bollert herrlich. Nach dem Abendessen haben wir das große Privileg, Fußball-EM gucken zu dürfen: Deutschland – Polen. Der Fernseher steht im Bügelzimmer. Platz für uns alle, prima.

Morgen geht es abwärts. In drei Stunden sollen wir wieder in Tiers am Auto sein.

Tag 4: Wie erstaunlich die Natur ist, hat sich am heutigen Morgen gezeigt: Nach Dauerregen, Neuschnee weiter oben und einem kräftigen Sturm rund um unsere Vajoletthütte erstrahlten die Berge rundum unter makellosem, tiefblauem Himmel. Die Gipfel in den rötlichen Sonnenstrahlen des jungen Morgens, zurückweichende Schatten, ein Tag wie aus dem Bilderbuch.

Frühstück und nichts wie los. Das Wetter ausnützen, wer weiß, wie lange es hält. Hinauf also zum Grastleitenpass, besser gesagt zur Grasleitenpasshütte auf 2.600 Meter über NN. Über der Schattengrenze ließ die Sonne ihre Muskeln spielen und machte aus dem Schnee von gestern Matsch von heute.

Nach schon einer Stunde war die winzige, aber urgemütliche Schutzhütte erreicht. Sie ist praktisch in den Fels hineingebaut, völlig urig. Sergio, der Wirt, hatte schon gestern von ein paar Teilnehmern unserer Gruppe Besuch bekommen und versprochen: „Um halb zehn ist es schon Zeit für einen Weißwein – wenn ihr das schafft, so früh.“ Haben wir. Und tatsächlich: Eine Runde stand schon bereit, spendiert von unserem Bergführer Thomas Dempfle. Welch Luxus: inmitten der mehr als 3.000 Meter hohen Gipfel des Rosengartens einen Schluck Weißwein schlürfen.

Gut gelaunt machten wir uns auf, den Nordhang hinter dem Grasleitenpass zu bewältigen. Nicht ohne klare Instruktionen von Thomas Dempfle: „Zieht alles an, was warm ist, also auch Handschuhe und Mütze, vor allem aber Grödeln.“ Das sind Spikes, die mit einem Gummi über die Bergschuhe gezogen werden. Damit lassen sich auch vereiste Hänge gut gehen.

Also los. Der Pass markiert übrigens die Grenze zwischen dem Trentino und Südtirol. Hinunter ging’s in das deutschsprachige Gebiet Italiens, das an dieser Stelle ganz schön steil ausfällt. Aber wir wussten, mit der Situation umzugehen: im Gänsemarsch bergab. Die Vorderen spurten, die Hinteren gingen in den Tritten. Der Schnee jedoch war durch die Sonne gut zu begehen, kein Problem. Es war so warm, dass selbst Thomas Dempfle schwitzend gestand: „Da sind wir wohl ein bisschen overdressed.“ Dennoch: lieber etwas zu warm als frieren.

Mittagspause war in der Grasleitenhütte auf 2.134 Meter Meereshöhe angesagt. Spaghetti, heute Alio Olio, also mit Knoblauch und Olivenöl – sensationell.Draußen gab es noch ein Sonnenbad, bevor wir die letzte Tagesetappe angingen. Ziel: die ganz neu gebaute Teirser-Alpl-Hütte auf 2.440 Metern.

Über den Molignon-Pass (2.604 Meter) ist der Weg zwar kürzer, aber die vom Oase Alpin Center ausgearbeitete Tour sieht eben die Strecke um den Berg vor. Die beginnt harmlos, sobald es jedoch an den Aufstieg durchs Bärenloch geht, werden die Höhenmeter ruckzuck gemacht. Immer wieder sicherten Stahlseile den Pfad über nackten Fels, immer wieder verführten unglaubliche Ausblicke auf Gipfel des Rosengartens zum Stehenbleiben. Gute Gelegenheit, mal kurz zu verschnaufen.

Und dann war die Tierser-Alpl-Hütte mit ihrem knallroten Dach schon aus der Ferne auszumachen. Das letzte Stück über ein Hochtal war, gemessen an der Tagestour von 10,5 Kilometern und 1.075 Höhenmetern ein Klacks.

Super gelaufen heute. Sonne und Wärme am Vormittag, so hätte es bleiben können. Doch schon spinnt das Wetter wieder. Einen kleineren Ausflug in die nähere Umgebung haben wir abgesagt: Die Hütte ist umhüllt von Nebel, Regen klatscht gegen die riesigen Fenster des Panorama-Restaurants. Also gut, dann geben wir uns jetzt der Kochkunst von Judith und Stefano Perathoner hin, welche die Hütte bewirten.

Morgen geht’s auf den Schlern. Hoffentlich bleibt es trocken. Das wissen wir aber erst in der Früh – die Natur ist und bleibt eben erstaunlich.

Tag 3: Heute hat uns das schlechte Wetter vollends eingeholt. Wir sind nun zu Gast im Rifugio Vajolet, zu deutsch: auf der Vajolethütte. Draußen wechseln sich Wolken in Fensterhöhe, Regen und Sonnenschein ab. Die Temperatur steigt und fällt permanent, ebenso wie der Luftdruck.

Der Weg hierher war im Laufe des Vormittags geschafft. Von der Rotwandhütte folgte ein Pfad hangparallel dem Berg. Nach etwa einer halben Stunde fielen die ersten Tropfen. Also: Regenjacken und -hosen raus aus dem Rucksack, der nun mit einer Regenhülle geschützt wurde. Als der Regen stärker wurde, schützten wir uns mit unseren guten Outdoor-Regenschirmen. Die Strecke durch einen Nadelwald hätte viel mehr Beachtung verdient, so schön war sie. So aber fiel das Staunen regelrecht ins Wasser.

Um die 300 Höhenmeter nach einer kurzen Kaffeepause in einem Restaurant steil bergauf – zu dem Regen kam nun auch noch der Schweiß hinzu. Dann, auf einem Plateau, tauchte unser Tagesziel aus den Wolken auf: die Vajolethütte. Zeit, für die Mittagspause, nach vier Stunden, fünf Kilometern und 550 Höhenmetern.

Danach machten sich einige aus unserer Gruppe auf, die Gegend zu erkunden. Doch der fortwährende Mix aus Wolken, Regen und Sonne ließ den Rest der Gruppe im Refugio bleiben: relaxen, Karten spielen, Spaß haben – und zwar am lodernden Kamin: Die Hütte ist, da sie erst heute geöffnet hat, völlig ausgekühlt. Auch die Duschen funktionieren noch nicht. Naja, eine Hüttentour ist eben kein Hotelurlaub.

Morgen geht’s wieder mehr zur Sache, was das Wandern betrifft. Und das Wetter soll sich auch ein wenig bessern. Schau’n wir mal.

Tag 2: Knallblau – so hat sich der Himmel heute Morgen präsentiert. Dafür ist das erhoffte Farbspiel am Abend zuvor aus- und die Wände des Rosengartens grau geblieben.

Nach dem Frühstück sind wir um 8.30 Uhr von der Plafötsch Alm aufgebrochen. Stetig bergauf führte der Weg durch einen Bergwald. Nach 350 Höhenmetern und unzähligen Schweißtropfen hatten wir die Haniger Schwaige auf 1.939 Meter über NN erreicht. Zeit für eine Kaffeepause unter inzwischen weiß-blauem Himmel.

Gestärkt ging es dem nächsten Etappenziel entgegen: der Kölner Hütte auf 2.337 Meter Seehöhe. Nun erscheinen ja 400 Höhenmeter nicht als die Welt. Wenn der Weg jedoch erst auf etwa 2.100 Meter über NN ansteigt, um danach wieder auf knapp unter 2.000 Meter Seehöhe abzufallen, wirkt das schon ein wenig gemein. Dass zwischendurch immer wieder die senkrechte Laurinswand durchs Blätterwerk der Bäume aufblitzte, stimmte zwar ein wenig versöhnlich.

Dafür verlief der Anstieg zur Kölner Hütte und der nach 900 Höhenmetern wohlverdienten Mittagspause auf dem kürzesten Weg, der Direttissima: steil und schier endlos. Da erschien die bisherige Tour geradewegs wie ein Zuckerschlecken.

Gutes Stichwort für die Pause: Als Hauptgang gab es Nudeln, die bekanntlich glücklich machen, in jeder erdenklichen Form. Zum Nachtisch bestellte sich Susanne, eine topfitte Teilnehmerin, ein Stück Sahnetorte. Was kam, war an Fülle und Geschmack nicht zu überbieten. „Erste Sahne“, lautete ihr Urteil.

Draußen verdunkeln Wolken den Blick ins Tal, bedrohlich nah, zum Greifen nah. Die Temperatur stürzt, wir verlängern die Mittagspause um eine halbe Stunde. Das lohnt sich. Die Sonne hat wieder den Durchblick.

Zum Glück verlief die Wanderung hinüber zur Rotwandhütte auf beinahe einem Niveau. Der schmale Pfad folgte dabei stets der Kante der senkrecht etwa 500 Meter aufwärts strebenden Rotwand. Bergführer Thomas Dempfle warnte: „Achtet auf Steinschlag. Das kommt hier immer wieder vor.“ Das Geröll hangabwärts unterstrich seine Worte.

Hoch über dem Karrerpasses (1.752 m) lud ein eigentümliches Standbild zu einem Fotostopp. Dort, an der Grenze zwischen Südtirol und dem Trentino, steht ein zweieinhalb Meter hoher Bronzeadler auf einem Felsen – zu Ehren von Theodor Christomannos (1854 bis 1911). Der Südtiroler Politiker hatte sich schon im 19. Jahrhundert für den Fremdenverkehr eingesetzt und sich unter anderem für den Bau jener Hütte eingesetzt, zu der wir unterwegs waren.

Erfreulich der dazu gehörige Wegweiser: zur Rotwandhütte noch 20 Minuten. Ein Klacks. Tatsächlich: Schnell, vor allem aber ohne einen einzigen Regentropfen ist das Haus mit den auffälligen blauen Fensterläden auf 2.283 Meter Meereshöhe nach 15 Kilometern und 1.100 Höhenmetern erreicht. Wolken haben wieder die Vormacht am Himmel übernommen. Kurz drauf fängt es an zu hageln und zu gewittern.

Wir beziehen ein Schlaflager für die ganze Gruppe – gestern noch hatten wir in Zweibettzimmern genächtigt. Mal hören, wer sich heute traut zu schnarchen. Und schon in aller Früh mit seinen Beuteln im Rucksack zu rascheln.

Tag 1: Geschafft. Wir sind im Rosengarten. Wir, das ist die 14-köpfige Wandergruppe unter der Führung von Thomas Dempfle, Bergführer und Chef des Oase Alpin Centers in Oberstdorf. Und der Rosengarten, das ist ein verwunschener Gebirgszug in den Dolomiten, Südtirol.

Verwunschen, weil einst König Laurin, so will es die Sage, aus lauter Zorn über seine von Feinden zertrampelten Rosen einen Fluch aussprach: Weder tags noch nachts sollten hier Rosen rot erblühen. Zum Glück hat der verbitterte Monarch die Dämmerung vergessen – und so erstrahlen hier abends die Felsen im letzten Licht des Tages wie Rosen: knallrot.

Naja, die Sonne muss freilich scheinen für diesen Zauber. Das ist im Moment so eine Sache: Draußen wechseln sich blauer Himmel und schwarze Wolken in zuverlässiger Reigenfolge ab. Kommt die Sonne, blitzen bei uns Wanderern orange und pinke Funktions-T-Shirts auf, fällt der Regen, kommen die wasserdichten Jacken aus dem Rucksack ans Tageslicht. Ist ja klar: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unzureichende Kleidung.

Doch auf dem Weg vom Startpunkt, der Tschamin Schwaige (1.097 Meter über NN) – so heißt ein Bergrestaurant mit benachbarter Museumssäge bei St. Zyprius –, hinauf zur Plafötsch Alm floss der Schweiß. Dabei waren auf den gerade mal viereinhalb Kilometern in gut anderthalb Stunden nur um die 400 Höhenmeter zu überwinden: Unser Domizil für die erste Nacht steht auf 1.570 Meter Seehöhe.

„Eine solch kurze Tour ist gerade recht, damit sich jeder eingewöhnen kann“, sagt Thomas Dempfle, „schließlich haben wir auch eine lange Anreise hinter uns.“ Außerdem, und das ist noch viel wichtiger, ist die Plafötsch Alm ein Kleinod mit Blick auf steile Wände des Rosengartens. Auf der Terrasse zischt das Bierchen nach dem ersten geschafften Aufstieg.

Das Abendessen ist der nächste Programmpunkt vor dem späteren Zubettgehen. Und das Menü ist ein weiterer Höhepunkt des ausklingenden Tages: Hüttenwirtin Rosa Herbst, bei Einheimischen bekannt als exzellente Köchin, hat gemeinsam mit ihrer Freundin Caroline Porsiel ein Kochbuch verfasst: „Zu Gast bei Rosa Herbst.“ Ohnehin ist die Südtiroler Küche für ihre Qualität bekannt – aber ein eigenes Kochbuch: Das lässt und schon jetzt das Wasser im Mund zusammenlaufen.. „Eine Gourmettour, die wir machen“, witzelt Helga, eine der Teilnehmerinnen. Hoffentlich behält sie recht.

Doch vor dem Abendessen gilt es erst noch, das Rot der steilen Wände im Rosengarten zu erleben. Mal sehen, was die Sonne heute noch so draufhat, an diesem unbeständigen Tag des unbeständigen Juni 2016. Wäre schön, wenn sie auch heute König Laurin ein Schnippchen schlagen könnte.

Sechs Tage Rosengarten –

die Etappen auf einen Blick

 

Region: Rosengarten (Südtirol)

Kategorie: Bergwanderung

Anforderung/Technik: Leicht

Kondition: gute körperliche Verfassung, Bergfahrung von Vorteil, durchschnittliche Kondition, Trittsicherheit und Ausdauer für Tagesetappen bis zu 6,5 Stunden.

 

Auf König Laurins Spuren: Großartige Bilder vermittelt diese sagenumwobenen Route durch den Rosengarten, eine Felsformation nahe Bozen, Südtirol.

Doch es ist nicht allein das Erlebnis, wenn der Santner Pass den Blick auf die imposanten Vajolettürme frei gibt. Unvergesslich bleibt, wie der Rosengarten beim letzten Tageslicht im feurigsten Rot erglüht und dann langsam über dunkelrot, violett und tiefblau wieder verglimmt.

 

1. Tag, Sonntag, Treffpunkt 14 Uhr, St. Zyprian (1.100 Meter über NN), Ortsteil Weißlahnbad (Dauerparkplatz mit Einkehrmöglichkeit im Restaurant Tschamin Schwaige): Von hier führt ein Wanderweg zur Plafötsch-Alm (1.570 m). Übernachtung auf der gemütlichen Almhütte.

Gehzeit zwei Stunden, Aufstieg 400 Hm, Länge 4,5 km.

 

2. Tag, Montag: Die Etappe führt vorbei an der Haniker Schwaige (1.904 m, Einkehrmöglichkeit) zur Rosengartenhütte (2.337 m). Nach der Mittagspause wandern wir über den Hirzelsteig am Wandfuß der westlichen Rosengartengruppe entlang zum Christomannos-Denkmal (2.349 m) und weiter auf dem Masare-Steig zur Rotwandhütte (2.283 m). Gehzeit fünf Stunden, Aufstieg 1.000 Hm, Abstieg 200 Hm, Länge 13 km.

 

3. Tag, Dienstag: Wir starten auf dem Weg Nr. 541 in Richtung Mugonispitze. Durch ein riesiges Felsloch gelangen wir nach einer Stunde auf den Cigoladepass (2.550 m). Von hier führt der Abstieg entlang der östlichen Rosengartengruppe zur Preuss- und Vajolet Hütte (2.243 m), dem heutigen Ziel. Mit leichtem Rucksack steigen wir durch das Vajolettal zur Gartlhütte (2.621 m) auf und weiter zum Santnerpass (2.734). Die Aussicht hier überwältigt selbst erfahrene Bergwanderer. Direkt an der Passhöhe steht die gleichnamige Hütte. Nach kurzer Einkehr steigen wir wieder ab und gelangen auf dem gleichen Weg zurück zur Vajoletthütte. Gehzeit 5,5 Stunden, Aufstieg 900 Hm, Abstieg 900 Hm, Länge 9 km.

 

4. Tag, Mittwoch: Die heutige gemütliche Etappe führt uns über den Grasleitenpass zur Grasleitenpasshütte (2.601 m). Von dort steigen wir in den Grasleitenkessel ab. Nach einer Pause in der Grasleitenhütte (2.134 m) steigen wir über das Bärenloch zur Tierser Alpl Hütte (2.440 m) auf. Am Nachmittag besteht die Möglichkeit, die aussichtsreiche Roßzahnscharte (2.489 m) zu besuchen. Gehzeit fünf Stunden, Aufstieg 950 Hm, Abstieg 750 Hm, Länge 9,5 km.

 

5. Tag, Donnerstag: Heute wandern wir zunächst auf der Via Alpina Nr. 3/4 und dem Dolomiten Höhenweg Nr. 8 in westlicher Richtung zum Naturpark Schlern und erreichen bald unsere komfortable Unterkunft, die Schlern Häuser auf der Schlern Hochfläche (2.457 m). Die anschließende Höhenwanderung führt uns über den Monte Pez (2.563 m) zum Aussichtspunkt am Monte Castello. Gehzeit fünf Stunden, Aufstieg 600 Hm, Abstieg 600 Hm, Länge 10 km.

 

6. Tag, Freitag: Der Abstieg vom Schlern führt uns über den Tschafatschsattel (2.070 m) und durch die Bärenfalle auf einem sehr steilen Pfad hinunter nach Weißlahnbad (Einkehrmöglichkeit). Ankunft etwa 13 Uhr. Rückreise oder individueller Verlängerungsaufenthalt in Südtirol. Gehzeit 3,5 Stunden, Aufstieg 100 Hm, Abstieg 1.350 Hm, Länge 6,5 km.

 

 

Und so schreibt Veranstalter Oase Alpin Center, Oberstorf , die Tour aus:

Voraussetzungen: Gute körperliche Verfassung, Bergfahrung von Vorteil, durchschnittliche Kondition, Trittsicherheit und Ausdauer für Tagesetappen bis zu 6,5 Stunden.

Unterbringung: Hütten (Mehrbettzimmer, Lager)

Leistungen: Bergführer, 5 mal Halbpension

Zusatzkosten: Nach persönlichem Bedarf ca. € 30.- pro Tag für Getränke, Rucksackproviant, etc.

Landkartenempfehlung: Kompasskarte Rosengarten, WK 629 (1 : 25.000)

Anreise nach St. Zyprian: Nutzen Sie die guten Bus- und Bahnverbindungen nach St. Zyprian. Mit dem Pkw über die Autobahn Innsbruck – Brenner nach Bozen, Ausfahrt Bozen Nord. Auf der Staatsstraße über Tiers nach St. Zyprian. Dauerparkplatz in Weißlahnbad.

Aufenthaltsverlängerung: Sollten Sie vor oder nach der Tour eine Unterkunft in St. Zyprian benötigen, ist Ihnen das Verkehrsamt gerne behilflich, Tel.: 0039/0471/642127, www.tiers.it

Oase Alpin Center: Unser Büro, Bahnhofplatz 5, befindet sich direkt am Bahnhof in Oberstdorf, am Gleis 1, Tel.: 08322/8000980, www.oase-alpin.de.

Oase-Packliste für einen Rucksack ca. 35 Liter Volumen, Gesamtgewicht (voll gepackt) ca. 8 kg.

 

Das trage ich bereits am Körper:

Funktionelle Unterwäsche und Funktionssocken

Funktionelle Wanderhose

Funktionsshirt

Funktionelle Jacke oder Weste

Knöchelhohe Wanderschuhe mit guter Profilsohle

 

Das ist unverzichtbar*

Rucksack, mit Regenhülle               1730

Wechselshirt kurz              160

Wechselshirt lang              220

2 Unterhosen kurz              140

1 Paar Funktionssocken              60

Wasser- und winddichte Jake evtl. Gore-Tex (kein Poncho)              690

Wasser- und winddichte Hose, evtl. Gore-Tex              310

Mütze oder Stirnband              40

Dünne Handschuhe              80

Kurze funktionelle Hose              210

Sonnencreme LSF 30 und Lippenschutz              70

Cap oder Buff (gibt‘s vom Oase AlpinCenter als Begrüßungsgeschenk)              40

Sonnenbrille              30

Trinkflasche oder Trinkblase (1 Liter)              180

1 Liter Flüssigkeit 1000

Elektrolyt-/Magnesium Tabletten (Röhrchen)              150

Nüsse/Trockenobs/Müsliriegel              210

Persönliche Medikamente, Aspirin und Blasenpflaster              220

Kleine Taschenlampe/ tirnlampe              80

Ausweise, Bargeld, EC-Karte, Auslandsversicherung in wasserdichtem Beutel mit ziploc-Verschluss              40

Hüttenschlafsack              250

Waschbeutel mit Wasch-Set (Proben verwenden) und Oropax              220

Kleines Microfaser-Handtuch ca. 30 x 60 cm              60

 

Das ist empfehlenswert*

Teleskopstöcke              520

Messer              60

Leichte Hose              320

T-Shirt für die Hütte 170

Leichte Turnschuhe oder Badeschlappen für die Hütte              200

Plastikbeutel für Abfall und/oder Dreckwäsche              20

Fotoapparat              250

 

Gesamtgewicht (inkl. Rucksack): 7.730

 

Zwei Tipps für Regenwetter:

Nehmen Sie einen Bergschirm mit.

Kleiden Sie ihren Rucksack innen mit einem Müllbeutel aus.

 

* Gewichtsangaben in Gramm, alles von Oase Alpin Center selbst gewogen
 

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