Tag 6: Berggasthof Gemsli - Klosters

 

Waldweg und Walserweg

 

Den letzten Tag einer Wochenwanderung begleitet stets ein wenig Wehmut. Den Gegenpol dazu bildet der Besuch eines urigen Museums in Klosters, der letzten Station der Tour.

 

Irgendwie ist es seltsam an diesem Morgen. Das letzte Mal in trauter Runde frühstücken, das letzte Mal den Rucksack packen, das letzte Mal die Schuhe schnüren - wohlgemerkt: für diese Tour. Dann also raus aus dem Berghotel Gemsli, an dessen Lagerfeuer die Gruppe den letzten gemeinsamen Abend bei Liedern und launigen Geschichten hat ausklingen lassen.

 

Vor dem Gemsli erweitert sich ein kristallklarer Bergbach zu einem angestauten See, in dessen glatter Oberfläche sich die Berge spiegeln. Vorbei geht es an Rindviechern, die mit ihren Glocken wie zum Abschied läuten, hinüber über eine kleine Brücke, hinauf über Wiesen in einen knorrigen Wald. Die Wurzeln der Bäume erfordern sämtliche Konzentration, über Stufen geht es rauf und runter.

 

Die Gruppe scheint stets auf demselben Niveau zu wandern, während das Rauschen des Baches mehr und mehr talwärts abnimmt. Es ist still auch deshalb in diesem dunklen Tann, weil keiner so recht reden will. Melancholie am Ende einer Reise.

 

Unerwartet öffnet sich der Wald zu einer Wiese mit kniehohem Gras. Sonne überflutet die Welt, die Berge am Horizont begrenzen den Blick, der auf das nahe Klosters fällt. Mit dem Licht und mit der Wärme kehren die Gespräche zurück. Es wird wieder gescherzt, gelacht.

Dann noch um ein paar Ecken schweizerisch-mondäner Häuser, und die Wanderer stehen vor dem Nütli-Hüschi

 

Diesem Walsermuseum glaubt jeder Gast sofort, dass es eine bewegte Geschichte hat. Barbara, Schweizerin und Walser-Expertin mit Leib und Seele, erklärt alle Zusammenhänge und die Lebensweise der Walser im strengen Walser-Dialekt. Sehr charmant und liebenswert.

 

Es geht durch die Küche in die gute Stube, ins Schlafzimmer und auf den Dachboden mit einem Webstuhl. Draußen, im Nachbargebäude sind Werkstatt, Stall und Heuboden samt einer nachgestellten Bergunterkunft zu sehen. Das Leben, so kommt die Erkenntnis, hat sich in den Jahrhunderten verändert. Aber viel von dem Werkzeug, von den alltäglichen Gegenständen und sogar manche Gepflogenheit haben die Zeit bis heute überdauert. Ein gelungener Abschluss einer ereignisreichen Woche auf den Spuren der Walser.

 

Der Rest ist Heimfahrt durch das Rheintal und den Bregenzer Wald nach Oberstdorf. Dort, vor dem Büro der Oase Alpin Bergschule, liegen sich die Bergkameraden wie zu Beginn der Wanderung über den Großen Walserweg in den Armen und wissen: Jetzt dauert es wieder ein Jahr bis zu nächsten Tour.

 

Wohin? Das bleibt noch ein Geheimnis.

 

Gehzeit: 1,5 Stunden

Auf-/Abstieg: 0/450 Hm

Länge: 6 km

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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