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Wanderung vom Landgasthof Adler zum Prinz-Luitpold-Haus

Tag 5

Heute ist Sonne gefragt, und sie zeigt sich am Morgen in strahlender Laune. Doch zuerst stärken wir uns am Frühstück, das dem Landgasthof Adler in Hinterhornbach zur Ehre gereicht. Alles da, was ein Gast mit der Bezeichnung Landgasthof verbindet.

Direkt hinter dem Haus verschwindet der Granzgänger-Weg im dichten Mischwald. In der ersten Stunde schaffen wir 500 Höhenmeter, weil die Strecke so schön steil ist: „Da gewinnst du leicht an Höhe“, weiß Bergführer Thias.

Tatsächlich: Im weiteren Gelände, das nicht mehr ganz so steil ansteigt, reduziert sich der Zuwachs: In den ersten zwei Stunden summieren sich die Höhenmeter auf 800 – was aber für eine Gruppe ein ordentliches Tempo ist.

Der Weg führt uns über einen Sattel. Er ist der Übergang in ein verstecktes Hochtal, das sich zum sogenannten Kalten Winkel hin zum 2.039 Meter über NN hohen Fuchsensattel schiebt. Und hier erstreckt sich ein elendig langes Schneefeld, das wir bewältigen müssen.

Macht ja (fast) nichts. Schließlich sind wir fit und haben geübt, was bei einem Abrutscher zu tun ist: so auf den Bauch drehen, dass die Füße nach unten zeigen und die Liegestützposition einnehmen – schon steht die Fuhre. Zum Glück braucht niemand von uns dieses antrainierte Verhalten. Schließlich sind wir mit Grödeln, Jacke, langer Hose und Handschuhen gut gewappnet.

Dennoch strengt der Gang hinauf zum Fuchsensattel an. Das geht ungefähr so: Du gehst, der Schweiß tropft dir über die Nase. Dein Blick ist auf deine Schuhe und die Tritte des Vorgängers gerichtet, rechts, links, rechts, links. Es muss doch schon ein Stück geschafft sein. Also schaust du hoch – und die Strecke vor dir sieht genauso aus wie noch vor ein paar Minuten.

Du stapfst weiter, rechts, links, rechts, links, schaust wieder hoch – kein Unterschied. Doch dann drehst du dich um und blickst zurück: Donnerwetter, das habe ich schon geschafft, super.

Irgendwann ist tatsächlich der Fuchsensattel erreicht. Ausruhen? Von wegen: „Der Nachteil langer Touren ist,“, verrät Thia, „dass du keine langen Pausen machen kannst.“ Fix also die Grödeln aus, Rucksäcke in einer Ecke verstaut, es geht hinauf auf den Hochvogel, jenen Berg, den wir schon seit Beginn unserer Tour umrunden. Ein tolles Erlebnis, am Gipfelkreuz zu stehen (siehe Extratour: Glück am gespaltenen Gipfel).

Als wir wieder am Fuchsensattel stehen, ist es schon gegen 15 Uhr. Zeit für den Abstieg zum Prinz-Luitpold-Haus. Doch nicht etwa einfach so: Wir nutzen den Klettersteig über die Kreuzspitze, um so auf der anderen Seite dieses Berges endlich mal wieder ein Schneefeld begehen zu können. Doch diesmal geht es bergab, ein Kinderspiel. Noch ein paar Kehren, dann quert der Weg wilde Wasser und endet auf der Sonnenterrasse des Prinz-Luitpold-Hauses.

Hier stoßen wir miteinander an auf diesen knackigen Tag: Gehzeit neun Stunden, Aufstieg 1.750, Abstieg 1.000 Höhenmeter, Länge 11 Kilometer. Außerdem ist es der letzte gemeinsame Abend auf dieser tollen Wanderung.

Wir sind uns einig: Der Grenzgänger-Weg hat einiges zu bieten und ist in vielerlei Hinischt eine Herausforderung. Anfänger sollten diese Tour nicht gehen. Um es ganz deutlich zu sagen: Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und gute Kondition sind unbedingt erforderich. Wer diese Punkte mitbringt, wird auf dieser Wanderung seine Freunde haben.

Extratour: Glück am gespaltenen Gipfel

Jawohl. Das Gipfelkreuz des Hochvogel in 2.592 Meter über NN zu berühren ist ein ganz besonderer Moment auf dieser abwechslungsreichen Wandertour. Schließlich hat uns der Berg die letzten Tag begleitet und sich von jeder Seite gezeigt. Nun stehen wir auf ihm drauf, rundum geht es nicht höher. Ein erhebendes Gefühl: Obwohl der Hochvogel nur der dreizehnthöchste Gipfel der Allgäuer Alpen ist, dominiert er weite Teile der Allgäuer Alpen und der benachbarten Gebirgsgruppen. Außerdem verläuft über seinen Gipfel die Grenze zwischen Deutschland und Österreich.

Der Weg inuaf ist nicht sonderlich schwer, erfordert aber nach der bis zum Fuchsensattel bereits zurückgelegten Partie schon ordentlich Kondition. Dennoch sind natürlich auch bei diesem Gang zum Gipfel Trittsicherheit und Schwindelfreiheit unabdingbar.

Aus anderen Gründen bleibt für viele Menschen, die an den Hochvogel denken, ein mulmiges Gefühl. Es wird befürchtet, dass die eine Seite eines Tages als gewaltiger Erdrutsch ins Tal stürzt. Unübersehbar ist, dass sich der Hochvogel mehr und mehr spaltet. Messapparaturen rund um das Gipfelkreuz registrieren noch so feine Bewegungen.