Wanderung rund um den Mont Blanc

Tag 2: Ref. de Miage - Chalet Nant Borrant

Nach dem Frühstück geht es über das Chalet du Truc (1.723 m) hinunter Richtung Les Contamines (1.167 m). Oberhalb des bekannten Skiortes wandern wir auf einem wunderschön angelegten Panoramahöhenweg hinauf zur Tré-la-Tête Hütte (1.970 m, Einkehrmöglichkeit). Abstieg über den Combe Noire zum Chalet Nant Borrant (1.500 m), unserer Unterkunft.

Gehzeit ca. 7,5 Stunden, Aufstieg 1.000 m, Abstieg 1.000 m, Länge ca. 14 km

Heute ist die Sonne zu Hochform aufgelaufen. Einerseits natürlich super, dieses Kaiserwetter. Andererseits macht die Hitze das Wandern nicht gerade leicht, dazu kommen diverse rote Oberarme, Nacken und Kniekehlen.

Dabei hat der Morgen nach einer wunderbar tief durchschlafenen Nacht im Matratzenlager der Refuge de Miage geradezu frisch angefangen. Nach dem Frühstück um halb sieben – frisches Baguette mit Marmelade, Tee oder Kaffee – ging es hinaus in den Tag. Die Sonne strahlte noch hinter den Bergen. Die Temperaturen ließen die Wärme von innen steigen, stand doch als erstes der Aufstieg zum Chalet du Truc auf 1.723 Meter über NN auf dem Plan. Diese kleine Siedlung birgt auch ein Refuge, also eine Übernachtungsmöglichkeit für Wanderer. Dort steht der halbe Liter Bier übrigens mit gerade mal fünf Euro in der Karte – aber die Gruppe musste weiter. Die bisherigen Preise rangierten zwischen 6,00 und 7,80 Euro für die Halbe. Aber es ist ja Urlaub.

Von diesem Bilderbuch-Dörflein führte der Weg bergab auf schattigem Weg hinunter in Richtung Les Contamines. Den Skiort auf 1.167 Metern erreichte die Gruppe aber nicht, sondern folgte einem sehr gut ausgeschilderten und neu angelegten Panorama-Höhenweg zur Hütte Tré la Tête auf 1.970 Meter Seehöhe.

Auf dem Pfad, der immer wieder Gletscherbäche kreuzte, waren Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefordert: Bitte nicht stolpern, zur Rechten ging es nahezu senkrecht bergab, unendlich tief. Trotzdem ein super Erlebnis, diesen Weg zu laufen.

Die Hütte Tré la Tête, über der gelegentlich Bartgeier kreisen, bietet auf der Speisekarte unter anderem eine Tagessuppe für zehn Euro an. Die Spaghetti Carbonara sind für 16 Euro zu haben. Zur Entschuldigung muss gesagt werden, dass sämtliche Speisen und Getränke mit dem Hubschrauber nach hier oben gebracht werden müssen, wo keine Straße mehr hinführt.

Doch aufgepasst: Sich hier oben zu stärken ist sinnvoll – der Abstieg überwindet knapp 500 Höhenmeter und ist mehr als knackig. Der Pfad verläuft steil bergab über Wurzeln und zum Teil lose Steine, dazu immer wieder ein Schluck Bachwasser. „Gefühlt müssen wir jetzt schon das Talniveau unterschritten haben“, frotzelte einer aus der Gruppe. Doch irgendwann nach eineinviertel Stunden war auch diese Strecke gemeistert.

Die Wanderer empfing Gebrüll – vom Wasserfall Cascade de Combe Noir auf 1.496 Meter Seehöhe. Hier stürzen sich Wassermassen in eine Schlucht, um gurgelnd in einer Tiefe zu verschwinden. Das Wasser ist milchig von den Sedimenten der Gletscher viel weiter oben, Gletschermilch wird es deshalb genannt.

So, nun schien der Rest ein Klacks. Die Refuge de la Balme auf 1.706 Meter Seehöhe war aus der Ferne schon zu sehen, die Hütte sollte bald erreicht sein. Doch Tourguide Thomas Dempfle hatte gewarnt: „Gut zwei Stunden müssen wir dafür einplanen.“

Und tatsächlich. Der Weg führte zuerst durch einen herrlich schattigen Wald, dann über einen tosenden Bach. So weit, so gut. Denn nun hatte die Sonne wieder ihren großen Auftritt: Die Schotterstraße zu den Hütte, geschätzt zwischen drei und unendlich vielen Kilometern, schlängelte sich durch eine herrlich bunte Wiese hinauf, nicht, ohne immer noch ein bisschen steiler zu werden. Eine schweißtreibende Tour, mit jedem Schritt anstrengender.

Kaum zu glauben, aber auch die unendliche Strecke mit der brennenden Sonne war gegen halb sechs überwunden. Das erste Bier (halber Liter: 6,80 Euro) zischte, die Dusche ebenso. Dann schnell das Matratzenlager einrichten: nicht mit Schuhen betreten, den Rucksack vors Bett, nicht darauf. Straffes Regiment, hier rund um den Mont Blanc.

Den hat die Gruppe immer noch nicht gesehen. Aber morgen. Abwarten.

Refuge de la Balme bedeutet übrigens so wie viel wie Hütte im Schutz der Berge. Nicht im Chalet Nant Borrant zu übernachten wie geplant, hat den Vorteil, dass die Gruppe morgen 250 Höhenmeter weniger bewältigen muss. Das ist nicht unwichtig, schließlich soll morgen der höchste Punkt der Tour erreicht werden.

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