Wanderung rund um den Mont Blanc

Tag 1: Chamonix - Ref. de Miage

Treffpunkt 12.00 Uhr an der Seilbahn Les Houches/Bellevue (991 m). Auffahrt mit der Seilbahn zur Bergstation Bellevue (1.790 m). Auf abwechslungsreicher Route wandern wir über den Col de Tricot (2.120 m) zur Ref. de Miage (1.560 m).

 

Gehzeit ca. 4 Stunden, Aufstieg 500 m, Abstieg 700 m, Länge ca. 6 km

Der Einstieg ist geglückt. Alle sitzen vor dem Refuge de Miage in der Sonne und stillen ihren Durst. Es ist halb sechs, und hier, am Fuß des Mont-Blanc-Massivs, neigt sich ein langer Tag seinem Ende entegegen.

„Eine Tour muss so gestaltet sein, dass jeder Tag für jeden Teilnehmer zu schaffen ist“, sagt Thomas Dempfle. Der Chef der Oase Alpinschule in Oberstdorf, welche die Tour du Mont Blanc ausrichtet, erklärt damit, warum die Wanderung am ersten Tag nur vier bis fünf Stunden dauert: „Die meisten Teilnehmer hatten eine lange Anreise aus Deutschland bis nach Chamonix. Hier soll niemand überfordert werden.“

Tatsächlich hat sich die Gruppe gegen 12 Uhr auf dem Parkplatz der Seilbahn in Les Houches getroffen, einem Vorort von Chamonix. Seit neun Jahren laufen die Wanderer immer im Juni eine Woche lang in den Alpen. Diesmal steht die Tour du Mont Blanc auf dem Plan. Schnell ging es zu der Gondel Bellevue, welche die zehn Wanderer samt Rucksäcken von knapp 1.000 Metern über NN zur Bergstation auf 1.740 hievte. Diese ersten Höhenmeter waren ein Klacks.

Doch von nun an hieß es, die eigene Kondition zu fordern, zugegeben: vor traumhafter Kulisse. Immer wieder gingen die Blicke hinauf zu dem schneebedeckten Gipfel des Aiquille des Glaces, der in 3.810 Metern am stahlblauen Firmament kratzte.

So schön das Wetter auch war, die Temperaturen im Tal waren schon auf knapp 30 Grad gestiegen. Die Sonne meinte es hier oben im Gebirge ebenso gut, wenn die Luft auch etwas kühler war. Dennoch hieß es, sich kräftig einzucremen, um einem Sonnenbrand vorzubeugen.

Der Weg führte auf und ab durch lichten Wald bis zu einem brüllenden, reißenden Bach, gespeist von einem Gletscher in Gipfelnähe. Eine schaukelnde Hängebrücke war hier die einzige Möglichkeit, ans andere Ufer zu gelangen. Also los.

Drüben führte der Weg bergauf. Etappenziel war der Col de Tricot, einer Scharte auf 2.120 Meter Meereshöhe. „Immer, wenn du glaubst, jetzt bist du oben“, murmelte einer der Wanderer unterwegs, „siehst du die nächste Stufe. Und noch eine, und noch eine.“ Trotzdem war die einst von Gletschern geformte Stufe bald erreicht. Pause. Sogar leichtes Schnarchgesäusel soll zu hören gewesen sein.

Von nun an ging’s bergab – bis auf 1.560 Meter zur Refuge de Miage. Immer einem Pfad folgend, bis einige Wanderfreunde ein Schneefeld nutzten, um schneller voran zu kommen. Mancher mit nassem Hosenboden.

Doch dann war die Hütte in dem winzigen Ort erreicht. Von einer nahen Alm drang Kuhglockengebimmel herüber, und himmelwärts erhoben sich weiße Gipfel.

„Dahinter steht der Mont Blanc“, versicherte Thomas Dempfle, „morgen werden wir ihn sehen.“ Abwarten.

Doch zuerst hieß es, sich einzurichten in dem Matratzenlager für alle. Und danach zu essen. Erst dann endete ein tatsächlich langer Tag.

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