Wanderung rund um den Mont Blanc

Tag 4: Chalet de Mottets - Refugio Elena

Immer die Aiguille des Glaciers im Blickfeld steigen wir in weiten Kehren zum Col de la Seigne (2.516 m) auf. Von hier aus haben wir die beste Aussicht auf den Mont Blanc. Pünktlich zur Mittagspause erreichen wir das Rif. Elisabetta (2.197 m). Danach steigen wir weiter ab Richtung Lac de Combal (1.970 m). Ein atemberaubender Höhenweg führt uns über die Alpe Arp Vieille und weiter zur Rif. Maison Vieille. Nach einer gemütlichen Mittagspause fahren wir mit der Seilbahn nach Courmayeur (1.229 m) und weiter mit dem Bus nach Arnuva (1.795 m). Auf einem bequemen Fahrweg steigen wir eine Stunde auf, zur Refugio Elena (2.062 m).

Gehzeit ca. 8 Stunden, Aufstieg 1.200 m, Abstieg 1.100 m, Länge ca. 22 km

Was für ein Klotz. Unübersehbar baute sich Mont Blanc gegen den stahlblauen Himmel auf, mit jedem Fels mit jedem Gletscher, mit jedem Schneefeld verkündend: Ich bin der Größte.

Tatsächlich ist dieser weiße Berg, über dessen Gipfel die Grenze zwischen Frankreich und Italien verläuft, mit seinen 4.806 Metern über NN der höchste Berg der Alpen und Westeuropas. Doch mal ganz ehrlich: Wäre er ein paar Meter niedriger und stiege nicht in den Olymp der rekordverdächtigen Berge auf, wäre der Mont Blanc noch immer ein höchst eindrucksvoller Klotz.

Um in den Genuss dieses Anblicks zu kommen musste die Gruppe nach dem Frühstück – leider ohne Drehorgel – direkt hinter der Refuge de la Mottet in den Berg einsteigen. Knapp 640 Höhenmeter wollten bewältigt werden bis zum Col de la Seigne auf 2.516 Metern Seehöhe. Schneefelder mussten gemeistert werden, vor allem aber Wasserübergänge.

Jetzt herrscht in diesem Gebiet der Alpen der Frühling – dann macht die Schneeschmelze aus sommerlichen Rinnsalen reißende Gebirgsbäche. Glasklares, eiskaltes Wasser, dessen Gischt den Blick auf die Steine am Boden versperrt. Hinüber also mit sicherem Schritt.

Wohl dem, der gute Trekkingstöcke dabei hat. Damit lassen sich außer Schneefeldern auch tosende Bäche überqueren. Gute Trekkingstöcke halten dem Druck des Körpers des Wanderers stand. Wichtig ist, dass sie Teller haben – je größer, desto besser.

Niemand aus der Gruppe hat auch nur nasse Füße bekommen – andere Wanderer mussten im Morgenlicht ihre Socken auswringen. Sie waren nicht so sicher über den namenlosen Bach gekommen.

Oben dann auf dem Col de Seigne war die Freude unübersehbar – wie der Mont Blanc. Dieser Pass ohne Passkontrolle markiert die Grenze zwischen Frankreich und Italien: Adieu, France, Bon Giorno, Bella Italia.

Das Land begrüßte die Wanderer mit einem Abstieg in ein unglaublich schönes Tal. Von den steilen Wänden ergossen sich rechts und links Wasserfälle, das topfebene Gletschertal war durchzogen von Wasserarmen, deren Oberfläche den Himmel widerspiegelten. Schroff und steil und unbezwingbar bauten sich Berge auf, hinter denen sich der Mont Blanc versteckte. Dabei bilden diese Gipfel den Peuterey-Grad, eine der schwersten Bergsteigerroute, um den weißen Berg zu bezwingen. Mehrere Tage sind hier die Wagemutigen unterwegs, biwakieren in den dunklen Wänden, hoch über dem üppigen Talgrund.

Den bevölkerten Murmeltiere. Sie zu beobachten, wenn sie Schneefelder überqueren, war spannend: Murmel auf dem Eis. Konkurrenz machen die Blumen, die auch hier in voller Blüte standen. Ein herrliches Tal – das in einer Art Autobahn für Wanderer mündete.

Nein, auf diesem Weg wollte sich die Gruppe nicht aus dieser Umgebung verabschieden. Es gibt eine Alternativroute: Ein Höhenweg verlangte den ohnehin schon geforderten Wanderern so ziemlich alles ab: 450 Höhenmeter bis zu einem Aussichtsgipfel. Der aber belohnte für die Qual des Aufstiegs: Das gesamte Mont-Blanc-Massiv gegenüber stehen zu sehen – ein weitere Höhepunkt dieses anstrengenden Tages. Außerdem feierte die Gruppe auf diesem Gipfel Bergfest ihrer Tour du Mont Blanc.

Was folgte, war ein schier endloser Abstieg zu einer Hütte – es ist Italien – mit vortrefflichen Spaghettis und gemischtem Salat. Der weitere Abstieg war ein Klacks. Vor allem mit der Aussicht auf das Taxi, das die Gruppe über 15 bis 20 Kilometer zum Einstieg des Refugio Elena chauffieren sollte.

So weit, so gut. Doch die restlichen 250 bis 270 Höhenmeter durch die Hitze des Tages (Das Thermometer im Taxi hatte 35 Grad angezeigt - auf knapp 2.000 Meter Seehöhe) wurden zäh. Jeder Schritt, jedes Kilogramm im Rucksack: Hier waren die Grenzen für einige aus der Gruppe erreicht.

Umso besser, dass die Hütte heiße Duschen hat und das Abendessen, es bestand aus vier Gängen samt Spaghetti – sofort nach Ankunft serviert wurde. Das erste große Bier (6,00 Euro), zischte wie immer.

Kurze Stippvisite: Morgen steht der erste von zwei Tagen in der Schweiz auf dem Programm. Er soll, verglichen mit heute, ein Spaziergang werden. Abwarten.

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