Fernwanderung: Oberstdorf - Zugpitze

Tag 5: Kenzenhütte - Reintalangerhütte

Heute hat es nur einmal geregnet - mal mehr, mal weniger, dafür aber von früh bis spät. Und das, obwohl sich der gestrige Tag mit sternklarem Nachthimmel verabschiedet hat.

 

Das Gute daran: Endlich einmal kommen die Regenjacken, Pullover und Schirme zum Einsatz, die ansonsten ungenutzt den Rucksack beschwert hätten.

 

Los also um acht, nach herzhaftem Frühstück. Bergauf, so wie das Motto des ganzen Tages lauten könnte, hinauf durch eine üppig grüne Bergwiese. Auffällig der Sauerampfer, der hier Dimensionen annimmt, die anderswo wohl unbekannt sind: Riesenblätter auf dünnen Stielen, so weit das Auge reicht. Jeder Schritt will gut platziert sein, damit er zwischen diesem Blätterdach in Kniehöhe den Weg findet. Nicht einfach, zumal es sich an einem schrägen Hang ohnehin schwierig laufen lässt. Kommt dann noch Regen dazu, der den Boden zu Schlamm aufweicht, wird die Wanderung  zur Rutschpartie. Kein einfaches Unterfangen, aber schließlich überschreiten doch alle den Beckenalmsattel (1.540 m) ohne dreckigen Hosenboden.

 

Selbst bergab im Sägerbachtal (1.646 m) geht alles gut. Klar: Die Gruppe hat - angesichts des Wetters ein erstes Sehnsuchtsziel vor Augen: Die Ammeralödstraße im Tal nahe Linderhof ist bald erreicht. Hier wartet ein ausgewachsener Bus auf die Gruppe, um sie nach Partenkirchen zur Skisprungschanze zu fahren. Das bedeutet: 20 Minuten Wärme und Trockenheit. Super.

 

Die ersten Schritte nach der kurzen Fahrt fallen manchem der Wanderer sichtbar schwer. Die Knie sind eingerostet, die Muskeln wollen noch ruhen. Dürfen sie aber nicht: Nach wenigen Zig Metern läuft wieder alles. Doch die Partnachklamm, die auf dem Programm steht, ist geschlossen. Ein Unwetter hat vor kurzem hier so gewütet, dass sogar das Kassenhäuschen verschwunden ist. Die Schlucht liegt voller Bäume und ist unzugänglich. Zu gefährlich für Besucher.

 

Zum Glück fährt die Graseck-Gondel Tag wie Nacht.Für vier Euro pro Person hievt sie die glücklichen Wanderer hinauf nach Graseck. Ihr Ziel: Die Kaiserschmarrn-Alm. Hier gibt es Hirschburger, Wurstsalat und - natürlich - Kaiserscharrn.

 

Danach geht es zur Abwechslung mal bergab. Aber nur über 80 Höhenmeter - dann ist der verschlossene Ausgang der Partnachklamm erreicht, Was folgt, geht auf die Muskeln: Das Ziel, die Reintalangerhütte, steht auf 1.370 Meter über NN. Die Gruppe startet bei 820 Metern. Nicht steil, aber stetig, führt zunächst ein Forstweg durch einen dichten Wald. Geschätzte Strecke: acht Kilometer. Dann, an dem Depot der Hütte, einem kleinen Verschlag mitten im Wald, verengte sich der Weg zu einem Pfad.

 

Zweieinhalb Stunden stehen den Wanderern durchs Reintal noch bevor, hauptsächlich entlang der Partnach. Unüberhörbar brüllt sich dieser Bergbach zu Tale, sein eisgraues Wasser schäumt weiß auf, stürzt sich über Felsen, fängt sich kurz in glasklaren Gumpen, um insgesamt 18 Kilometer weit abwärts zu rauschen.

 

Trotz des Regens, trotz der weiten Strecke, trotz des ständigen Bergauflaufens schafft es die Partnach, Langeweile oder gar Verdruss von der Gruppe fernzuhalten. Dazu tragen auch solche wanderischen Nettigkeiten bei wie die Überquerung reißender Bergbäche, welche die Partnach mit ihrem Wasser anschwellen lassen.

 

Der Weg lohnt sich, sogar bei schlechtem Wetter. In der Reintalangerhütte schließlich geht es an diesem Abend voll zu. Die Gruppe gesellt sich in ein Schlaflager, Schnarcher inklusive. Das kann eine lustige Nacht werden. Aber das leckere Abendessen und ein paar Bierchen lassen alle entspannen.

 

Nicht ohne Grund: Morgen solle es auf die Zugspitze gehen, Deutschlands höchsten Berg, knapp 3.000 Meter hoch. Zu Fuß. Wenn’s klappt. Mal sehen.

 

Fotos: Claus-Georg Petri

Gehzeit ca. 7 Stunden, Aufstieg 1.000 m, Abstieg 700 m, Länge ca. 22 km

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