↑ 600 Hm ↓ 1000 Hm 4,5 Std. 9,5 km
Fotos: Claus-Georg Petri
Da kann kaum einer widerstehen:Die Tour über die Brenta-Gruppe zum Gardasee hat die altbekannten Wanderer, sie stammen hauptsächlich aus dem süddeutschen Raum, ins schöne Südtirol gelockt Alle sind da. Fast alle. Ein Teilnehmer und sogar Tourguide Thomas Dempfle, Gründer und Chef der Oberstdorfer Bergschule Oase Alpin, haben ein Problem an Bein und Fuß - beiden einen Gruß und gute Besserung von der ganzen Gruppe.
Obwohl Thomas Dempfle nicht am Start sein kann, geht es morgens los: Margit M., Bergwanderführerin aus Innsbruck, gehört dem Team der Bergschule an und ist kurzfristig eingesprungen. Die 55-Jährige kennt die Teilnehmer schon, hat sie bei einer anderen Tour begleitet. Schließlich ist diese Gruppe nicht irgendeine Schar munterer Wanderer: Die meisten sind seit 2011 stets Ende Juni gemeinsam auf Tour, immer in den Alpen, immer weit, hoch hinaus und immer schweißtreibend.
Das könnte es auch diesmal werden Zwar hat in der Nacht ein Gewitter die Gegend erfrischt, aber schon um 9.30 Uhr ist die Luft am Treffpunkt, der Talstation Sessellift Tarscher Alm, ordentlich dämpfig. Leise schweben die neun Wanderer samt ihrer neuen Chefin Margit hinauf zur Tarscher Alm auf 1.840 Meter über dem Meer. Die viertel Stunde Gondeln nutzen die Freunde, um sich zu unterhalten - vor zwei Jahren haben sie sich in dieser Konstellation zum letzten Mal gesehen. Im vergangenen Jahr 2025 ist die Wanderung erstmalig ausgefallen. Doch die Vertrautheit ist geblieben.
Zu zweit oder dritt laufen sie hinauf zum Tarscher Joch auf 2.436 Meter über NN. Mit ihnen steigen Sonne und Temperatur. Zu erwartender Schweiß perlt in die Stirnbänder, das Willkommensgeschenk der Bergschule.
Zeit, eine kleine Rast einzulegen mit Blick tief hinunter ins Etschtal und die sich dahinter erhebenden Berge. Nüsschen, Schokoriegel und süße Leckereien machen die Runde, dazu Quellwasser aus der Flasche.
Diese bewährte Mischung gibt genug Kraft, hinauf zum Tarscher Sattel auf 2.523 Meter Seehöhe zu wandern. Er markiert die Grenze zwischen Vinschgau und Ultental. Beide liegen in Südtirol, beide haben ihre eigene Geschichte.
Von hieraus geht’s bergab. Steil bergab. Margit mahnt: „Macht so viele Doppelknoten in Eure Schuhbänder, bis sie sich nirgendwo mehr einhaken können.“ Dies sei eine böse Falle, um zu stolpern, besonders bei solch schroffen Abstiegen wie hier. „Fasst der Schnürsenkel in einen Haken am anderen Wanderschuh ein, haut’s dich aus der Wand.“ Dann lieber ein paar Doppelknoten setzen.
Gesagt, getan: Die Wanderer meistern den ausgesetzten Pfad mit sicherem Schritt. Alle kommen heil auf der Hochebene ein Stück tiefer an. Natürlich auch hier mit Schweiß auf der Stirn, dabei versteckt sich die Sonne mittlerweile hinter Wolken.
Es geht hinab ins Ultental, das die Bergriesen der Ortler-Gruppe schützen. Auch vor Massentourismus. So ist die Kuppelwieser Alm auf 1.970 Meter über dem Meer an diesem Sonntag zwar gut besetzt, aber ein kaltes Bier und eine Knödelsuppe sind trotzdem drin.
Nach der Pause steht die letzte Etappe an: durch einen Lärchenwald, auf dessen Grasflächen Kühe weiden, hinunter zum Gasthaus Weiberhimmel auf 1.500 Meter über NN. Heute ist Pizzatag. Es wird also wieder lecker. Und zu erzählen gibt es genug.
Sicher auch für Margit: Sie hat ihre Feuertaufe heute bestanden.
Tourstart: 10 Uhr an der Talstation Sessellift Tarscher Alm., Obermühlweg 79, I-39021 Tarsch, Südtirol, Italien. Treffpunkt 9.30 Uhr.
Die Tour beginnt mit der Seilbahnfahrt hinauf zur Tarscher Alm. Über das Tarscher Joch (2.517 Meter über NN) und die Kuppelwieser Alm auf 1.972 m mit Einkehrmöglichkeit gelangt die Gruppe in das Ultental. Das Tal liegt umgeben von den Bergriesen der Ortler-Gruppe abseits vom Massentourismus und hat sich deshalb seine Ursprüngluchkeit erhalten.
Die Wanderer übernachten im Gasthaus Weiberhimmel im Ultental auf 1.580 m. Sie stärken sich beim gemeinsamen Abendessen.