Tag 4: Vom Molvenosee zur Varone Schlucht und weiter zum Gardasee

Fotos: Claus-Georg Petri

Kontrast zum bisherigen, eher straffen Wanderprogramm, so hatte es geheißen. Nur 100 Höhenmeter bergauf, gerade mal zehn Kilometer laufen. Und dazu noch jede Menge Überraschungen. Geradezu verführerisch.

 

Tatsächlich beginnt der Tag nach einem üppigen Frühstück im Hotel mit einer Busfahrt. Gut, um eine Stunde lang über die Aussicht über den Molvenosee auf die Brenta zu staunen, bevor in dem verschlafenen Ort Ballino die Rucksäcke geschultert werden. Nur einmal über die Straße und ab in den Wald, auf asphaltiertem Weg steil bergauf. Auch 100 Höhenmeter wollen gelaufen sein.

 

Oben dann, alle sind warm und schwitzen unter blauem Himmel, schlängelt sich der Weg auf halber Höhe durch dichtes Mischgehölz. Schön zu laufen, Blick auf die schroffen, teils dicht bewaldeten Berge im Trentino.

 

Dann die erste Überraschung: Plötzlich tut sich der Lago di Tenno auf. Das Kleinod liegt den Wanderern zu Füßen, von Sandstrand gesäumt, verführerisch auf 599 Meter Meereshöhe. Sein Wasser ist so türkis, dass er auch „Lago azzurro“ genannt wird. Diese Perle der Natur schlummert eingebettet in eine nahezu unberührte Landschaft am Fuße des 1.803 Meter hohen Monte Misone.

 

Mancher der Wanderer träumt von einem kühlen Bad im nahen See. Doch es geht weiter - immerhin hat Wanderchefin Margit das Städtchen Canale di Garda als Ziel avisiert: „Es gilt als eines der schönsten Dörfer Italiens“, verspricht sie, und ist nach wenigen Minuten erreicht. Freudig begrüßt Margit ihre Gruppe: „Willkommen im 13. Jahrhundert.“

 

Das mittelalterliche Dörfchen liegt gut acht Kilometer von Riva del Garda entfernt leicht erhöht mit Blick auf den See. Es ist komplett erhalten und hat den Charme der Jahrhunderte in seinen steinernen Gebäuden und Bögen, Gassen und Durchgängen bewahrt. Die Wanderer durchstöbern dieses Schmuckkästchen - auch diese Überraschung ist geglückt.

 

So wie die Erfrischung in einem Straßencafé zu Füßen des Castello di Tenno. Diese mittelalterliche Burg steht auf einem Felsvorsprung oberhalb des Gardasees. Der lässt nun schon seine Schönheit erahnen mit den steilen Wänden, zwischen denen sich dieses eiszeitliche Gewässer in seinem Bette räkelt.

 

Doch Wanderführerin Margit zieht noch einen Trumpf: „Nur wenige Kilometer bergab, und wir sind an einer Schlucht.“ Kaum zu glauben, ist doch der Gardasee schon zum Greifen nah. Des Rätsels Lösung ist nach einem steilen Abstieg durch Olivenhaine die Cascada Varone. Dieser Wasserfall des Wildbachs Magnone hat in 20.000 Jahren eine eigene senkrechte Schlucht in das anstehende Gestein geschliffen.

 

Das Wasser stürzt sich fast 100 Meter brüllend durch die engen Felswände, die sich glatt und geschmeidig unter dem weißen Nass winden. Zu besichtigen ist dieses Naturspektakel über eine untere und eine obere Grotte. Dort spritzt es wie unter der Dusche. Die Wanderfreunde Dieter und Wolfgang haben Hauben aufgesetzt, eher aus lauter Spaß, denn um sich zu schützen. Fürs Foto müssen sie allemal herhalten. Doppelte Überraschung, wie schön.

 

So kühl die Dusche in den Grotten, so heiß draußen die Luft. Das Thermometer tendiert gen 40 Grad. Das nächste Ziel, Riva del Garda, lässt sich in gerade mal 4,5 Kilometern ausmachen. „Das dauert eine Stunde“, verspricht Margit, „das schaffen wir gut. Außerdem geht es auch durch Olivenhaine und immer am Fluss Varone entlang.“

 

Das stimmt. Doch der kombinierte Fuß- und Radweg eignet sich besser zum Radeln. In der Hitze des Nachmittags zieht sich diese eine Stunde ganz schön hin. Immerhin können alle Wanderer nun getrost sagen: „Wir haben den Gardasee zu Fuß erreicht.“

 

Und das überpünktlich: In der mondänen Hafenstadt sind die Gruppe die letzten Passagiere, die an Bord jener Fähre gehen, die sie nach Limone schippern soll. Noch ein Tuten, dann legt das stolze weiße Schiff ab - um sich unterwegs lautstark einen Weg durch die respektlosen Surfer und Kitesurfer zu bahnen.

 

Nach 25 Minuten gehen die Wanderer in Limone von Bord. In der 1.100 Einwohner zählenden Gemeinde am Westufer des Gardasees haben sie die Provinz Brescia in der Lombardei erreicht. Nomen est omen: In dem Städtchen wachsen besonders viele Zitronen - eine verbreitete Einnahmequelle bei den vielen Touristen.

 

Zu denen gehören auch die Wanderer. Sie probieren heute in einem Restaurant in der Stadt aus, wie gut die Küche ist, die sich um die gelbe Zitrusfrucht dreht. Überraschung garantiert. So wie die heutige Etappe, die sich eher bei 20 als bei zehn Kilometern eingependelt hat.

Kurzinfos zu Tag 4

↑ 100 Hm ↓ 800 Hm  4 Std.  13 km

Vom Lago die Tenno geht es heute zum Lago di Garda, dem größten See Italiens. Der Weg zum Gardasee führt durch die Varoneschlucht mit senkrechten Wänden und brüllenden Wasserfällen. Die weitere Strecke verläuft auf gut ausgebauten Wanderwegen durch Olivenhaine zwischen schroffen Felsen - welch Kontrast.

Nachmittags ist die Altstadt von Riva del Garda erreicht, wo die Wanderer ihr erstes original italienisches Gelati schlürfen. Ein weiterer Höhepunkt ist die Fahrt mit einem Schiff nach Limone sul Garda, einem kleinen Ort zwischen Bergen und Gardasee.

 

Ziel ist heute das Hotel Castell in Limone - samt Terrasse mit Seeblick.

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