Tag 2: Vom Ultental nach Terme di Rabbi im Nationalpark Stilfser Joch

↑ 950 Hm ↓ 1350 Hm  7 Std.  17 km

Fotos: Claus-Georg Petri

Was für ein Hammertag, geteilt bis zur Mittagspause in genau zwei Richtungen: erst nur bergauf, danach bloß bergab. Doch der Reihe nach, es gibt zu viel zu berichten von dieser Wanderung. Sie beginnt - mit einer 15-minütigen Busfahrt vom Hotel nach St. Gertraud. Bis dorthin über Asphalt zu laufen wäre zu weit gewesen.

 

Das Bergdorf mit seinen 200 Einwohnern liegt auf 1.500 Meter über NN am Ende des Ultentals. Es besteht aus alten Bauernhöfen, die sich rechts und links den Hang hinauf bis auf 1.800 Meter Höhe gruppieren. Zentraler Punkt ist eine kleine Kirche mit rotem Dach, erstmals urkundlich erwähnt 1278. Sie steht unter dem Patronat der heiligen Gertraud von Nivelles sowie der heiligen Maria Magdalena.

 

Direkt hinter dem Ort beginnt der Nationalpark Stilfser Joch. Er ist 130.734 Hektar groß und gehört damit zu den größten Naturschutzgebieten in Europa. Tatsächlich erstreckt sich sein Gebiet über vier italienische Provinzen. Die Wanderwege, die den Nationalpark durchziehen, tragen einen Adler als Signet.

 

Einer von ihnen verläuft durch das Kirchbergtal, und das stetig bergauf. Ziel ist das Haselgruber Joch (Passo die Rabbi) auf 2.449 Meter über NN. Doch bis dahin ist ein kilometerlanger Anstieg zu bewältigen. Der allerdings verwöhnt die Wanderer mit überbordender Natur.

 

An den Hängen strecken sich kapitale Lärchen in den stahlblauen Himmel. Bergbäche durchziehen die Almwiesen, deren saftiges Grün von wilden Blumen bunt gesprenkelt sind. Kühe weiden rechts und links, beachten die Gruppe aber kaum. Das Geläut ihrer Glocken untermalt das Rauschen des glasklaren Wassers, das ruhig erst durch dunkle Gumpen fließt, um dann unüberhörbar mit weißer Gischt über steinerne Stufen talwärts zu stürzen.

 

Schritt für Schritt geht es aufwärts, es wird wärmer, Puls und Schweiß halten dagegen. Immer wieder gibt es Trinkpausen, eine längere an der Hütte Bärhapp auf 2.295 Meter über NN. Helga, mit 76 Jahren Seniorin der Gruppe, genehmigt sich eine Banane als Zwischenmahlzeit.

 

Doch noch ist der höchste Punkt des Tages nicht erreicht. Ein weithin sichtbares, übermannsgroßes Steinmännchen oberhalb der Baumgrenze dient als Kulisse für ein Gruppenfoto, dann sind es nur noch wenige Minuten bis zum Haselgruber Joch.

 

Hier, auf 2.449 Meter Seehöhe, verlaufen gleich zwei Grenzen: die zwischen Südtirol und dem Trentino sowie die markante Sprachgrenze zwischen Deutsch und Italienisch. Kein Wunder, dass die Wirtin der Haselgruber Hütte die Neuankömmlinge mit einem freundlichen „Buon Giorno“ begrüßt. Nach 950 Höhenmetern Anstieg haben die wahrlich eine Pause verdient.

 

Die Rast bei Gemüsesuppe und Makkaroni mit Tomatensauce könnte aussichtsreicher kaum sein: Nach Süden hin erheben sich Brenta-Spitze und Brenta-Gruppe - Fotoapparate und Smartphones halten den Moment fest.

 

Diese Stärkung für Körper und Geist war nötig, stehen den Wanderern doch noch 1.300 Höhenmeter Abstieg bevor. Tour-Chefin Margit zieht einen Trumpf: „Vielleicht nehmen wir uns auf dem ersten Wanderparkplatz ein Taxi ins Hotel.“ Diese Aussicht beruhigt, erspart sie immerhin 400 Höhenmeter zu laufen. Und die Knochen spüren einige der Wanderer nun doch allmählich.

 

Also los. Hinab führt ein Pfad durch weites, mit bewachsenes Land, die Brenta im Blick, immer den Oberschenkelmuskel gegen den Abwärtsschritt gestemmt. Doch die Laune ist prima, die Stimmung steigt mit jedem Höhenmeter abwärts.

 

Schließlich schwebt den Wanderern ein mehrgängiges Abendessen vor. Sie sind in Italien, und da kann das nur gut schmecken. Und es klappt: Das Taxi steht schon da. Auch das Gepäck wartet schon im Alpen-Hotel Rabbi. Welch ein Glück am Ende eines Hammertages.

Kurzinfo zu Tag 2

Der Tag beginnt mit einer Busfahrt nach St. Gertraud im Ultental. Durch das Kirchbergtal wandert die Gruppe gen Süden und erreicht am Rabbijoch (Passo di Rabbi) auf 2.449 Meter über NN die Grenze zum Trentino. Kurz hinter der Passhöhe gibt es eine ausgiebige Rast in der Haselgruber Hütte, einer privaten Schutzhütte in den Ortler Alpen. Gestärkt gelangt der Abstieg nach Terme di Rabbi im Stilfser Nationalpark Val die Sole.

 

Übernachtet wird im Alpen-Hotel Rabbi in San Bernardo mit Abendessen und Frühstück.

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